Bunt ist das Wohnen schöner

«Weiss ist eben nicht gleich Weiss.» Sibylle Nussbaumer, ausgewiesene Fachexpertin in Farb- und Raumgestaltung vom mattwerk Zug, verrät im Interview, wie stark Farben unsere Wahrnehmung und die Dynamik eines Raumes beeinflussen.

Engel & Völkers Wohnen Schweiz: Der kreative Teil Ihrer Arbeit beginnt jeweils mit einem Farbkonzept. Was lässt sich darunter verstehen und wohin führt dieses?

 

Sibylle Nussbaumer: Zunächst wird die Analyse sprich die Bestandesaufnahme eines Projektes erstellt. Diese beinhaltet das Erfassen der Architektur, der verbauten Materialien sowie der Funktion des Objektes und dessen Umgebung. Im Anschluss entsteht das Vorprojekt, das die Bedürfnisse, Wünsche, Rahmenbedingungen und Ziele des Kunden berücksichtigt. Darauffolgend wird ein massgeschneidertes Farbkonzept ausgearbeitet. Dieses beinhaltet verfeinerte Farbnuancen und wird anhand von Mustern illustriert und dem Kunden präsentiert. Mit diesem Konzept können anschliessend die Umsetzungsarbeiten beginnen. Selbstverständlich bieten wir auch hier eine fachmännische Begleitung und Umsetzung über unser breites Netzwerk an.

 

E&V: Schon seit einigen Jahren gewinnen Konzepte für Farb- und Raumgestaltung an Popularität. Dabei fällt auf – die Kontraste der Farben sind zum Teil recht stark. Welchen Trend spüren Sie am stärksten und müssen es immer intensive Farben sein?

SN: Die Industrie lebt von Trends, die jedes Jahr neu kreiert werden und kurzlebig sind. Was ich für meine Kunden erschaffe, soll jedoch langfristige Identität stiften und das Objekt positiv aufwerten. Hierzu zählen erdige und natürliche Kombinationen, wie sie uns aus der Natur bekannt sind. Selbstverständlich können auch dunkle oder bunte Akzente wie auch Tapeten oder dekorative Elemente eingesetzt werden. Am Schluss zählt jedoch, dass eine Atmosphäre geschaffen wird, die dem Raum seinen eigenen Charakter verleiht. Auf diese Weise entsteht auch eine raumtypische Dynamik.

 

E&V: Sie sagen auch, Weiss ist nicht gleich Weiss. Können Sie uns eine Nuancierung beschreiben?

SN: In der Regel sind in Neubauten alle Wände weiss gestrichen und man setzt irgendwo eine bunte Wand als Eye-Catcher. Ich betrachte jedoch Farbe als Material, demzufolge auch Weiss. Nehme ich die grossflächige Bodenfarbe und stimme das Weiss entsprechend ab, erhalten ich eine Harmonie. Mögliche Nuancierungen sind luftig, warm, klar, steinig oder weich. Sie erinnern mich bspw. an Himmel oder Marmor.

 

E&V: Die ersten Farben entstanden aus Naturprodukten. Noch heute gilt die Natur als starke Impulsgeberin für jede Art von Design. Inwiefern lassen Sie sich inspirieren?

SN: Besonders in der Natur begegnen mir unterschiedliche Stimmungen, die harmonisch und zeitlos wirken. Das Zusammenspiel von Licht und Natur und die daraus entstehende, oftmals nur für wenige Momente sichtbare Atmosphäre, fasziniert mich. Sehnen wir uns in unserem hektischen Alltag nicht genau nach diesem Moment der Natürlichkeit und Ruhe?

 

E&V: Zuletzt, das Einmaleins in der Farbgestaltung ist?

SN: Das Licht, die Oberfläche und die Wahrnehmung des Kunden in einem stimmigen Konzept zu vereinen.

E&V:  Vielen Dank für das interessante Interview, Frau Nussbaumer! ​​

 Zug - Farb- und Raumgestaltung
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